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Engagement, das weit über den Arbeitsplatz hinausreicht:Eine Geschichte über Engagement, Beuel und die Schätze der KJA Bonn

DARUM! Posting - Brigitte

Brigitte Mohn war fast 20 Jahre Teil der KJA Bonn. Ende 2025 verabschiedete sie sich in den Ruhestand. Das Gespräch mit ihr liegt schon etwas zurück und findet nun aber seinen Platz in unserer Porträtreihe.

Viele von uns sind nach einer Auszeit in den Sommerferien gut gestartet und richten den Blick nun mit viel Energie auf die Herbstferien – eine gute Gelegenheit, auf eine besondere KJA-Persönlichkeit zu blicken. Brigittes Geschichte erzählt von einem langen beruflichen Weg, vor allem aber von Vertrauen, Verantwortung und einem Engagement, das weit über den Arbeitsplatz hinausreicht.

„Es gibt Menschen, ohne die vieles nicht so gut laufen würde, ohne deren Engagement es manches nicht mehr geben würde, deren Namen nicht oft erwähnt werden und die dennoch in ihren Kreisen im Mittelpunkt stehen.“ 

So wurde Brigitte Mohn einmal im General-Anzeiger beschrieben. Diese Worte bringen auf den Punkt, was sich durch unser Gespräch zieht – Brigitte gestaltet, übernimmt Verantwortung und bringt Menschen zusammen, ohne sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen.

2007 kam Brigitte zur KJA Bonn. Zuvor arbeitete die Diplom-Sozialpädagogin beim Bundesamt für Naturschutz in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Nach einer längeren Familienphase war diese Stelle für sie ein wichtiger beruflicher Wiedereinstieg. Ein Vorgesetzter hatte sie angesprochen, obwohl sie selbst gar nicht nach einer neuen Aufgabe suchte. Dieser Impuls gab ihr Selbstvertrauen und bereitete den nächsten Schritt vor: Auf eine ausgeschriebene Bereichsleitungsstelle der KJA Bonn für die Offene Ganztagsschule stieß sie in einer Wochenzeitung. Das Thema kannte sie bereits aus ihrer Tätigkeit beim Kleinen Muck e.V. – ebenso die Chancen und Widerstände beim Ausbau des Offenen Ganztags. Auch das kirchliche Umfeld war ihr vertraut. Vieles passte also zusammen, und aus einer Bewerbung wurde eine lange Verbindung zur KJA Bonn.

In den fast 20 Jahren beschreibt sie selbst ihre Art zu führen als partnerschaftlich und zugewandt. Sie schenkte Mitarbeitenden einen großen Vertrauensvorschuss, ließ sie ihre Fachlichkeit einbringen und beteiligte sie an Entscheidungen. Zugleich wusste sie: Menschen sind verschieden. Gute Führung bedeutete für sie deshalb, genau hinzuschauen, zuzuhören und nicht alle nach demselben Muster zu behandeln. Wenn man Brigitte nach einer Erfahrung, die sie beeinflusst hat, fragt, erinnert sie sich besonders lebendig an das Jahr 2014. In Bonn wurde damals neu über die Finanzierung der OGS verhandelt, die Trägergemeinschaft stand unter großem Druck. Eine Situation, die wir heute noch kennen und die sich mit dem Rechtssanspruch auf einen OGS-Platz weiter verschärft hat. Doch statt nur auf die schwierige Lage hinzuweisen, wollten die Beteiligten schon damals die Bedeutung des Offenen Ganztags sichtbar und positiv in die Öffentlichkeit tragen. Auf dem Münsterplatz entstand deshalb ein großes Fest mit Informationsständen, Bühnenprogramm, Podiumsgespräch und vielen Beiträgen von Grundschulkindern. „Ich erinnere mich daran zurück, wie ich auf diesem Platz stand und das bunte Treiben beobachtete“, erzählt Brigitte. Die Aktion wirkte nach innen bei den Beteiligten, aber auch nach außen: Eltern machten mit, das Anliegen bekam Aufmerksamkeit und am Ende standen mehr finanzielle Mittel für die OGS zur Verfügung. Für Brigitte blieb die Erfahrung, dass man gemeinsam viel bewegen kann, wenn es gelingt, Menschen mitzunehmen und für eine Sache zu begeistern.

Für die Zukunft der KJA Bonn wünscht sie sich, dass genau dieser besondere Spirit erhalten bleibt. Finanzielle Rahmenbedingungen sind wichtig. Doch nicht alles, was eine Organisation trägt, lässt sich in Zahlen ausdrücken. Atmosphäre, Vertrauen und Zeit füreinander dürfen nicht unter Druck geraten. Ihre Botschaft an die Kolleg*innen ist deshalb klar: Behaltet die Schätze der KJA im Blick – gerade jene, die sich nicht messen lassen. Persönliche Beziehungen, das Einstehen füreinander und die Überzeugung, dass gute Arbeit für Kinder und Jugendliche mehr braucht als gut organisierte Abläufe. 

Diese Haltung endete für Brigitte nicht mit dem Beruf und war auch in jungen Jahren bei ihr präsent. Schon mit 15 Jahren übernahm sie in einem Team als Gruppenleiterin bei den Pfadfindern in Beuel Verantwortung und lernte dort ihren späteren Mann kennen. Es folgten viele weitere Aufgaben, unter anderem beim Kleinen Muck e.V., im Projekt „Junge Familien“, in der Pfarrgemeinde, im Beueler Karneval und in der katholischen Frauengemeinschaft. Bei Letzterer sind ihr Räume, in denen Frauen sich austauschen und gegenseitig stärken, wichtig. Dem Bild, Frauen stünden vor allem in Konkurrenz zueinander, setzt sie ihre Erfahrungen in der katholischen Frauengemeinschaft und im Damenkomitee entgegen: Frauen unterschiedlichen Alters kommen zusammen, teilen Erfahrungen und bestärken einander. Für Brigitte ist das keine Theorie, sondern gelebte Haltung.

Für ihren jahrzehntelangen Einsatz für Bildung, Familien und Brauchtum erhielt sie 2022 das Verdienstkreuz am Bande. Das hat sie auch nicht groß jemanden erzählt. Bei meiner täglichen Presseschau entdeckte ich die Berichterstattung darüber im General-Anzeiger. Es ging ihr um die Sache und nicht darum, ihr Engagement publik zu machen. Was ihr dieses Engagement bedeutet, beschreibt Brigitte so: „Ich kann behaupten, dass das Ehrenamt einen wacher macht. Das Engagement weitet den Blick: Man lernt Menschen auch in Problemlagen kennen, bleibt aber immer lösungsorientiert und interessiert an gesellschaftlich relevanten Themen“. Ehrenamt bringt für sie Menschen zusammen, die sich sonst vielleicht nie begegnet wären, und schafft Verständnis für unterschiedliche Lebenswirklichkeiten. Dabei bleibt der Blick nicht beim Problem stehen, sondern richtet sich darauf, was gemeinsam möglich ist.

Eng verbunden ist dieses Engagement mit dem Bonner Stadtteil Beuel. Brigitte ist hier aufgewachsen und schätzt die Nähe, das Miteinander und das Gefühl, sich zu kennen. Beuel ist städtisch, ohne zu laut zu sein und trotzdem liegen Grün und Wald nah. Diese Mischung macht für sie den besonderen Charakter der „Schäl Sick“ aus. Dazu gehört auch der Karneval. Natürlich macht das Feiern Spaß, doch für Brigitte bedeutet die fünfte Jahreszeit vor allem Zusammenhalt: Unterschiedliche Menschen und Gruppierungen treffen aufeinander und erleben Gemeinschaft. Geprägt wurde sie schon als Kind: „Ab dem 6. Januar lief bei uns zu Hause Karnevalsmusik. Meine Eltern, beide aus der Region, waren zwar nicht in einem Verein aktiv, dem Karneval aber sehr zugewandt.“ Bis heute rühren sie die alten Lieder von Ostermann bis Bläck Fööss, zugleich kann sie aber auch den jungen Bands und der modernen Entwicklung sehr viel abgewinnen. Besonders aus der Seele spricht ihr „Alle Jläser huh“ von Kasalla. Für sie kein Trinklied, sondern ein Beispiel dafür, wie Musik wichtige Lebens- und Glaubensthemen charmant durch die Hintertür anspricht und für Schweres eine Sprache findet. Deshalb sind viele dieser Stücke für Brigitte eher Heimat- als Karnevalslieder – und dürfen das ganze Jahr über gespielt werden.

Und nach der KJA Bonn? Wie ging es weiter? Erstmal war der Übergang in den Ruhestand für unsere ehemalige Kollegin kein harter Schnitt. Von Vollzeit ging es zunächst in Teilzeit und später in eine stundenweise Tätigkeit – ein Abschied auf Raten. So konnte die ehemalige Referatsleiterin mit einem guten Gefühl loslassen. Sie weiß die Verantwortung in der neuen Geschäftsführung gut weitergetragen und blickt zuversichtlich auf die Zukunft der KJA Bonn. So kann sie sich neuen Herausforderungen widmen. 

Ein perfekter Tag beginnt für sie heute mit Ausschlafen und einem ausgiebigen Frühstück. Danach darf gern etwas auf dem Programm stehen. Und sie nimmt sich durchaus selbstironisch: „Ich hatte mir immer vorgenommen, öfter mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren. Das habe ich leider nicht umgesetzt.“ Vielleicht bleibt jetzt die Zeit dafür – auf jeden Fall möchte sie mehr Zeit mit Freund*innen, ihren Kindern und sechs Enkelkindern verbringen. Zugleich wollen ihr Mann und sie nicht nur Oma und Opa sein: Gemeinsame Städtetrips gehören ebenfalls zu den Plänen. Auch im Ruhestand bleibt Brigitte neugierig, aktiv und den Menschen zugewandt.

Ihre Geschichte zeigt, wie viel entstehen kann, wenn Menschen Verantwortung übernehmen, Vertrauen schenken und Gemeinschaft gestalten. Für die KJA Bonn steht Brigitte für einen Blick, der Strukturen und Finanzen ernst nimmt, aber nie aus den Augen verliert, was eine Organisation im Innersten trägt: Beziehungen, Haltung und die Bereitschaft, gemeinsam etwas zu bewegen. Darum gehört ihr Porträt in diese Reihe – auch mit etwas zeitlichem Abstand.